Wo die Schweiz jung ist und wo sie alt ist
Die Altersstruktur einer Gemeinde prägt ihre Schulen, ihren Wohnungsmarkt und ihre Dienstleistungen, doch nationale Durchschnittswerte verdecken starke Gegensätze. Der Anteil älterer Einwohnerinnen und Einwohner reicht von 8.9 % in einer Gemeinde bis zu 42.7 % in einer anderen. Diese Analyse betrachtet die ältesten Orte, Städte mit vielen jungen Erwachsenen und Familienvororte und zeigt anschliessend, wie Geburten, Todesfälle und Zuzüge in dieses Bild passen.
Wo die ältesten Einwohnerinnen und Einwohner leben
Anteil der Personen ab 65 Jahren ist das einfachste Mass für eine alternde Bevölkerung. Der Median aller Gemeinden liegt bei 20.7 %. An der Spitze liegt Orselina mit 42.7 %, gefolgt von Onsernone mit 42.5 % und Ronco sopra Ascona mit 42.4 %. Die vier höchsten Anteile finden sich alle im Kanton Tessin. Das Muster beschränkt sich allerdings nicht auf diesen Kanton: Mont-Noble im Kanton Wallis (Rang 5 von 1’811) kommt auf 36.8 %.
Die älteste Altersgruppe ist ebenso stark konzentriert. Anteil der 80-Jährigen und Älteren erreicht 14.4 % in Orselina, gegenüber einem Median von 5.6 % über alle Gemeinden. Hohes Alter und kleine Haushalte treten zusammen auf: In Orselina liegt die durchschnittliche Haushaltsgrösse bei 1.72 Pers., der Altersquotient bei 84.6 pro 100 Pers., und junge Menschen machen nur 6.9 % der Bevölkerung aus.
Grosse Städte liegen deutlich unter dem Median. Zürich hat 14.3 %, Lausanne hat 14.5 % und Genf hat 16.0 %. Lugano liegt mit 23.1 % höher und steht damit über dem Median von 20.7 %.
- 1Orselina42.7 %
- 2Onsernone42.5 %
- 3Ronco sopra Ascona42.4 %
- 4Brissago40.4 %
- 5Mont-Noble36.8 %
- 6Muralto36.2 %
- 7Val Müstair36.1 %
- 8Sigriswil35.4 %
- 9Verzasca35.1 %
- 10Allmendingen bei Bern35.1 %
Median aller 1’811 Gemeinden: 20.7 %
Städte mit jungen Erwachsenen
Anteil der 20- bis 39-Jährigen zeigt das Gegenteil. Der Median aller Gemeinden liegt bei 22.8 %, doch an der Tabellenspitze stehen Städte und ihre Vororte: Chavannes-près-Renens hat 44.4 %, Crissier hat 34.9 % und Zürich hat 34.9 %.
Weitere grosse Städte folgen mit Abstand. Bern hat 32.9 %, St. Gallen hat 32.4 %, Luzern hat 31.8 % und Basel hat 30.4 %. In Lugano beträgt der Anteil 24.8 %, in Bellinzona liegt er bei 24.3 %, deutlich näher am Median als Zürich.
Junge Erwachsene und ältere Einwohnerinnen und Einwohner sind wie Spiegelbilder. Zürich hat 34.9 % junge Erwachsene und 14.3 % ältere Einwohnerinnen und Einwohner, während Orselina bei 15.1 % und 42.7 % liegt. Landesweit verlaufen die beiden Anteile gegenläufig, sodass ein Ort mit einem hohen Anteil des einen tendenziell einen niedrigen Anteil des anderen hat.
- 1Chavannes-près-Renens44.4 %
- 2Crissier34.9 %
- 3Zürich34.9 %
- 4Lausanne34.4 %
- 5Schlieren34.2 %
- 14Bern32.9 %
- 17St. Gallen32.4 %
- 22Luzern31.8 %
- 37Genf31.0 %
- 50Basel30.4 %
- 501Lugano24.8 %
- 594Bellinzona24.3 %
Median aller 1’811 Gemeinden: 22.8 %
Familien und grosse Haushalte
Anteil der unter 20-Jährigen hat eine ganz eigene Geografie. Der Median aller Gemeinden liegt bei 20.4 %, doch die höchsten Werte konzentrieren sich auf einen einzigen Kanton: Chavannes-des-Bois hat 30.5 %, Bogis-Bossey hat 29.3 %, und alle fünf höchsten Werte finden sich im Kanton Waadt. Die familienreichen Gemeinden sind nicht nur winzige Dörfer: Ollon hat 8’297 Einwohnerinnen und Einwohner. Grosse Städte haben weniger junge Menschen als der Median: Zürich hat 17.7 %, Basel hat 17.2 % und Bern hat 17.2 %.
Bei den Haushalten zeigt sich ein ähnliches Bild. Die durchschnittliche Haushaltsgrösse erreicht ihren Höchstwert mit 2.91 Pers. in Vandœuvres, gefolgt von Laconnex mit 2.89 Pers., und die drei grössten Werte finden sich im Kanton Genf. Bei 2.26 Pers. liegt der Median. Grosse Städte stehen am anderen Ende der Skala: 2.00 Pers. in Zürich, 1.92 Pers. in Basel und 1.96 Pers. in Bern.
Haushaltsgrösse und Alter verlaufen nicht immer parallel. Lauterbrunnen hat im Durchschnitt 1.75 Pers., nahe bei den kleinsten Haushalten des Landes, und dennoch sind nur 26.1 % der Einwohnerinnen und Einwohner älter, verglichen mit 42.7 % in Orselina. Beide Kennzahlen beschreiben dieselbe Gemeinde aus unterschiedlichen Blickwinkeln, und keine von beiden ist ein Urteil über die Gemeinde.
- 1Vandœuvres2.91 Pers.
- 2Laconnex2.89 Pers.
- 3Genthod2.88 Pers.
- 4Chavannes-des-Bois2.87 Pers.
- 5Bogis-Bossey2.85 Pers.
- 6Pregny-Chambésy2.83 Pers.
- 7Collonge-Bellerive2.82 Pers.
- 7Gy GE2.82 Pers.
- 9Chancy2.81 Pers.
- 10Anières2.80 Pers.
Median aller 1’811 Gemeinden: 2.26 Pers.
Geburten, Todesfälle und Zuzüge
Drei Faktoren prägen die Altersstruktur über die Zeit: Wo der natürliche Saldo positiv ist und viele Personen zuziehen, bleibt eine Gemeinde jung; wo beides schwach ist, altert sie rasch. Beim Median aller Gemeinden liegt der natürliche Saldo, also Geburten minus Todesfälle, nur bei 0.6 pro 1000 Einw., während der Wanderungssaldo 8.9 pro 1000 Einw. beträgt. Die Zuzüge sind im typischen Fall weit bedeutender als die Geburten, und der Median der Bevölkerungsveränderung über zehn Jahre liegt bei +9.0 %.
Chavannes-près-Renens zeigt die Wirkung der Zuzüge. Der Wanderungssaldo beträgt 60.2 pro 1000 Einw., die Geburtenrate 9.4 pro 1000 Einw., und die Bevölkerung hat sich in zehn Jahren um +45.1 % verändert (Rang 6 von 1’811). Mit einem Wanderungssaldo von 55.2 pro 1000 Einw. weist Crissier ein ähnliches Profil auf. Städte mit vielen jungen Erwachsenen können dennoch mehr Geburten als Todesfälle verzeichnen: ein natürlicher Saldo von 3.1 pro 1000 Einw. in Zürich, von 3.3 pro 1000 Einw. in Lausanne, aber von −0.5 pro 1000 Einw. in Basel.
In Orselina übersteigt die Zahl der Todesfälle jene der Geburten: Der natürliche Saldo liegt bei −10.6 pro 1000 Einw., und der Wanderungssaldo beträgt nur 1.4 pro 1000 Einw., sodass die Zuzüge den Überschuss der Todesfälle nicht ausgleichen. Über zehn Jahre hat sich die Bevölkerung um −10.1 % verändert. Brissago zeigt dasselbe Muster, mit einem natürlichen Saldo von −12.1 pro 1000 Einw. und einer Veränderung von −10.9 % über zehn Jahre.
Kleine Zahlen schwanken rasch. In einer sehr kleinen Gemeinde verschiebt eine Handvoll Geburten mehr oder weniger die Quote spürbar, weshalb die nationalen Tabellen für Anteile die kleinsten Gemeinden auslassen. Die Quoten für Dörfer sind am besten als Anhaltspunkte zu lesen.
Die Altersangaben richtig lesen
Altersanteile beschreiben die ständige Wohnbevölkerung. Sie lassen Personen ausser Acht, die in einer Gemeinde arbeiten, dort aber nicht wohnen, sowie Gäste, die in Ferienwohnungen übernachten, aber anderswo gemeldet sind. Ein hoher Anteil junger Erwachsener kann Studium, erste Stellen oder kleine Wohnungen widerspiegeln, und den Zahlen allein ist nicht zu entnehmen, welcher Grund zutrifft.
Der Altersquotient setzt ältere Einwohnerinnen und Einwohner ins Verhältnis zu Personen im erwerbsfähigen Alter. Er reicht von 12.9 pro 100 Pers. in Chavannes-près-Renens bis zu 85.8 pro 100 Pers. in Onsernone, bei einem Median von 35.1 pro 100 Pers.; die Spanne zwischen den Gemeinden ist also sehr gross.
Jeder Anteil hängt zudem von den anderen ab. Ist eine Altersgruppe gross, müssen die übrigen kleiner sein; deshalb lassen sich die Anteile älterer Einwohnerinnen und Einwohner, junger Erwachsener und junger Menschen am besten gemeinsam lesen und nicht einzeln.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Anteil älterer Einwohnerinnen und Einwohner reicht von 8.9 % in Chavannes-près-Renens bis zu 42.7 % in Orselina, bei einem Median von 20.7 % über alle Gemeinden.
- Die vier höchsten Anteile älterer Einwohnerinnen und Einwohner finden sich alle im Kanton Tessin.
- Chavannes-près-Renens weist mit 44.4 % den höchsten Anteil junger Erwachsener auf, während Zürich auf 34.9 % kommt.
- Die fünf höchsten Anteile junger Einwohnerinnen und Einwohner finden sich alle im Kanton Waadt.
- Beim Median aller Gemeinden beträgt der Wanderungssaldo 8.9 pro 1000 Einw. und der natürliche Saldo nur 0.6 pro 1000 Einw., die Zuwanderung wiegt also schwerer.