Umwelt

Luftqualität und Bodennutzung in den Schweizer Gemeinden

Luftqualität und Bodennutzung beschreiben dieselbe Landschaft aus zwei Blickwinkeln. Feinstaub und Stickstoffdioxid sind dort hoch, wo Gebäude, Strassen und Menschen dicht beieinander liegen, doch Ozon folgt einer anderen Logik und erreicht seine Höchstwerte im Süden und in den hohen Alpen. Diese Analyse stellt die Luftmessungen neben den Anteil der bebauten Fläche, den versiegelten Boden, die Fläche pro Einwohner und den Raum, den Strassen, Parks und Wälder einnehmen.

Wo der Feinstaub hoch und wo er tief ist

Feinstaub PM2,5 (Jahresmittel) hat über alle Gemeinden hinweg einen Median von 6.1 µg/m³. Ganz oben ballen sich die Werte in einer Ecke des Landes: Coldrerio erreicht 15.1 µg/m³, gefolgt von Morbio Inferiore mit 14.9 µg/m³ und Vacallo mit 14.8 µg/m³. Diese drei Gemeinden liegen im Kanton Tessin.

Am anderen Ende hat Zermatt nur 1.6 µg/m³. Täsch folgt mit 1.7 µg/m³ und Saas-Fee mit 1.7 µg/m³; die drei Gemeinden liegen im Kanton Wallis. Es handelt sich um hoch gelegene Orte: Zermatt liegt auf einer mittleren Höhe von 2’943 m, Saas-Fee auf 2’907 m und Obergoms auf 2’359 m. Von Gemeinde zu Gemeinde gehen höhere Lagen im Allgemeinen mit tieferen Feinstaubwerten einher.

Stickstoffdioxid NO₂ (Jahresmittel) folgt dem Feinstaub eng. Der Median liegt bei 7.4 µg/m³, und Gemeinden mit hohen Feinstaubwerten weisen tendenziell auch hohe Stickstoffdioxidwerte auf. Genf hat 18.9 µg/m³, den höchsten Wert aller Gemeinden, und Morbio Inferiore folgt mit 18.4 µg/m³, zusammen mit 14.9 µg/m³ beim Feinstaub.

Grosse Städte im Vergleich

Unter den grösseren Städten sind die Stickstoffdioxidwerte sehr unterschiedlich. Genf hat 18.9 µg/m³, Basel hat 15.3 µg/m³ und Zürich hat 13.7 µg/m³, während Lausanne auf 9.8 µg/m³ und Lugano auf 9.4 µg/m³ kommt.

Mittelgrosse Städte liegen tiefer: St. Gallen hat 10.6 µg/m³, Winterthur hat 9.4 µg/m³ und Biel/Bienne hat 9.3 µg/m³. Die Grösse allein erklärt nur einen Teil des Bildes. Coldrerio mit 2’838 Einwohnern verzeichnet 18.2 µg/m³, mehr als Zürich mit 440’935 Einwohnern, und Morbio Inferiore übersteigt ebenfalls Basel.

Ferienorte in höheren Lagen weisen tiefe Werte auf: St. Moritz hat 3.4 µg/m³ und Samnaun hat 2.1 µg/m³, gegenüber einem landesweiten Median von 7.4 µg/m³. Lugano mit 63’691 Einwohnern verzeichnet 9.4 µg/m³, weniger als Coldrerio und Morbio Inferiore, im selben Kanton Tessin.

Stickstoffdioxid NO₂ (Jahresmittel): 12 Gemeinden im direkten Vergleich

Median aller 1’810 Gemeinden: 7.4 µg/m³

Ozon kehrt das Bild um

Ozon O₃ (93,2-Perzentil der täglichen 8-Stunden-Maxima) hat einen Median von 108 µg/m³, und seine höchsten Werte finden sich nicht in den Städten. Breggia erreicht 147 µg/m³, Castel San Pietro hat 146 µg/m³ und Arogno hat 142 µg/m³; alle drei liegen im Kanton Tessin.

Grosse Städte liegen nahe am Median: Genf hat 106 µg/m³, Basel hat 106 µg/m³ und Zürich hat 112 µg/m³. Hoch gelegene Ferienorte weisen höhere Werte auf: Zermatt hat 131 µg/m³, Saas-Fee hat 130 µg/m³ und St. Moritz hat 129 µg/m³, alle höher als in Zürich.

Einige Talorte liegen am unteren Ende. Sitten hat 97 µg/m³, Siders hat 97 µg/m³ und Saint-Léonard hat 97 µg/m³; die drei Gemeinden liegen im Kanton Wallis. Interlaken, im Kanton Bern, hat 98 µg/m³.

Einige Gemeinden liegen bei allen drei Werten gleichzeitig hoch. Mendrisio mit 15’076 Einwohnern weist 12.1 µg/m³ beim Feinstaub, 12.6 µg/m³ beim Stickstoffdioxid und 141 µg/m³ beim Ozon auf, gegenüber Medianwerten von 6.1 µg/m³, 7.4 µg/m³ und 108 µg/m³.

Ozon O₃ (93,2-Perzentil der täglichen 8-Stunden-Maxima): 13 Gemeinden im direkten Vergleich

Median aller 1’810 Gemeinden: 108 µg/m³

Wie viel Boden überbaut ist

Anteil Siedlungsfläche (Wohnen, Arbeiten, Verkehr) hat einen Median von 12.7 %; in der typischen Gemeinde ist also der grösste Teil des Gebiets offenes Land. An der Spitze weist Massagno 97.3 % auf, Renens hat 95.6 % und Merlach hat 94.1 %. Unter den grossen Städten verzeichnet Genf 92.2 %, Basel hat 86.1 %, Zürich kommt auf 62.3 % und Lausanne auf 46.6 %.

Die Alpengemeinden bilden das andere Ende: Vals hat 0.6 %, Zernez hat 0.7 % und Innertkirchen hat 0.7 %; nur ein sehr kleiner Teil ihres Gebiets ist überbaut.

Versiegelte Flächen werden mit einem eigenen Mass erfasst. Versiegelte Böden: durchschnittlicher Versiegelungsgrad hat einen Median von 5.0 %, gegenüber 62.6 % in Carouge, 59.8 % in Rorschach und 58.5 % in Renens. Diese zwei Kennzahlen hängen zusammen, sind aber nicht identisch: Zürich weist 62.3 % seines Gebiets als Siedlungsfläche auf, aber 32.2 % versiegelten Boden. Versiegelter Boden hängt auch mit den Luftwerten zusammen: Gemeinden mit einem hohen Anteil versiegelter Fläche weisen tendenziell hohe Stickstoffdioxidwerte auf, wie Carouge mit 17.9 µg/m³ zeigt.

Fläche pro Einwohner

Siedlungsfläche pro Einwohner beträgt im Median aller Gemeinden 526 m²/Einw.; dicht besiedelte Orte beanspruchen deutlich weniger Fläche: Genf hat 72 m²/Einw., Carouge hat 105 m²/Einw., Vevey hat 108 m²/Einw. und Basel hat 116 m²/Einw., was sich deckt mit der Tendenz, dass Gemeinden mit mehr Einwohnern pro Quadratkilometer weniger Siedlungsfläche pro Einwohner nutzen.

Am anderen Ende weist Obergoms 3’077 m²/Einw. auf, Rheinwald hat 2’874 m²/Einw. und Bure hat 2’710 m²/Einw.; in jedem Fall handelt es sich um eine kleine Gemeinde, in der wenige Einwohner eine grosse überbaute Fläche teilen. Die hohen Werte beschränken sich nicht auf die Alpen: Bure im Kanton Jura hat 2’710 m²/Einw. bei 660 Einwohnern.

Andere Städte und Ferienorte liegen dazwischen. Der Wert liegt bei 136 m²/Einw. in Zürich, bei 181 m²/Einw. in Bern, bei 231 m²/Einw. in Lugano und bei 549 m²/Einw. in St. Moritz. Zermatt kommt auf 358 m²/Einw.; diese Siedlungsfläche, die vielen Besuchern dient, verteilt sich auf 6’113 Einwohner.

Siedlungsfläche pro Einwohner: 12 Gemeinden im direkten Vergleich

Median aller 1’804 Gemeinden: 526 m²/Einw.

Strassen, Parks und Wälder

Anteil Verkehrsflächen (Strassen, Bahn, Parkplätze) beträgt im Median aller Gemeinden 3.6 %, doch Le Grand-Saconnex erreicht 46.3 %, vor Balerna mit 30.9 % und Renens mit 29.5 %, während Meyrin auf 28.4 % kommt. Le Grand-Saconnex hat 12’775 Einwohner, daher können Strassen, Bahnanlagen und Parkplätze auch in einer Gemeinde mittlerer Grösse einen grossen Teil des Gebiets beanspruchen.

Parks und Erholungsflächen sind noch seltener. Anteil Erholungs- und Grünanlagen beträgt im Median aller Gemeinden 0.4 %, doch Genf erreicht 15.8 %, Tenero-Contra kommt auf 15.4 % und Birsfelden auf 14.7 %. Zum Vergleich: Zürich hat 9.1 % und Lausanne hat 7.4 %.

Bewaldete Flächen sind deutlich häufiger. Anteil Waldfläche beträgt im Median aller Gemeinden 28.7 %; Morcote hat 81.0 %, Breggia hat 79.9 % und Arogno hat 79.7 %; alle drei Gemeinden liegen im Kanton Tessin. Die Städte variieren stark: Lugano hat 63.8 %, Winterthur hat 39.4 % und Zürich hat 25.4 %, während Genf nur 2.7 % aufweist.

Das Wichtigste in Kürze

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