Beschäftigung

Welche Arten von Arbeitsplätzen Schweizer Gemeinden bieten

Jede Gemeinde bietet eine andere Mischung an Arbeitsplätzen. In manchen liegt fast jede Stelle in einem Büro, einem Laden oder einer Klinik; in anderen sorgt eine Fabrik oder ein Bauernhof für den Grossteil der Arbeit. Diese Analyse vergleicht Dienstleistungen, Industrie und Landwirtschaft zwischen den Gemeinden, betrachtet grosse und kleine Arbeitsstätten und endet mit zehn Jahren Veränderung der Arbeitsplätze, bei der schon ein einzelnes Unternehmen die Zahlen verschieben kann.

Dienstleistungen bieten die meisten Arbeitsplätze

Anteil Beschäftigte im Dienstleistungssektor liegt über alle Gemeinden hinweg im Median bei 63.6 %. Im typischen Fall bieten Dienstleistungen also die meisten lokalen Arbeitsplätze. Den höchsten Anteil weist Le Grand-Saconnex mit 98.6 % auf, gefolgt von Merlach mit 97.9 % und Comano mit 97.7 %.

Grosse Städte bilden keine Ausnahme. Von den Arbeitsplätzen in Zürich entfallen 94.7 % auf Dienstleistungen, in Lausanne sind es 94.9 %. Dienstleistungen hängen auch nicht von grossen Bevölkerungszahlen ab: Kloten erreicht 90.7 % bei 44’424 Arbeitsplätzen für 22’017 Einwohnerinnen und Einwohner.

Am anderen Ende kommt Mex nur auf 4.2 %. Auf die Industrie entfallen 95.2 % der Arbeitsplätze in Mex; dort beschäftigt eine durchschnittliche Arbeitsstätte 39.2 Personen, sodass ein oder zwei grosse Unternehmen das Profil der ganzen Gemeinde prägen können.

Dienstleistungen und Industrie ergänzen sich weitgehend: Wo der eine Anteil hoch ist, ist der andere tief. In Kaiseraugst entfallen 25.9 % der Arbeitsplätze auf Dienstleistungen, gegenüber 74.0 % in der Industrie, während in Le Grand-Saconnex mit 12’358 Arbeitsplätzen nur 1.4 % auf die Industrie entfallen.

Wo Fabriken noch dominieren

Anteil Beschäftigte in Industrie und Gewerbe liegt im Median bei 24.2 %. Bei den grösseren Beschäftigungszentren ist das Bild eindeutig. In Kaiseraugst entfallen 74.0 % der insgesamt 6’826 Arbeitsplätze auf die Industrie und das Baugewerbe, in Bubendorf sind es 67.7 %, Le Locle erreicht 65.0 % und Le Chenit liegt bei 64.3 %. Auch innerhalb eines Kantons unterscheiden sich die Profile stark: Im Kanton Aargau liegt der Industrieanteil in Kaiseraugst bei 74.0 %, während Wettingen mit 8’105 Arbeitsplätzen nur 19.1 % erreicht. Visp und Plan-les-Ouates verteilen ihre Arbeitsplätze fast gleichmässig, bei einem Industrieanteil von 51.0 % beziehungsweise 45.5 %.

Die höchsten Werte gehören zu kleinen Gemeinden, in denen ein einzelner Betrieb stark ins Gewicht fallen kann: Mex hat 95.2 % und Villeret hat 84.4 %. Diese Werte beschreiben eher eine Handvoll Arbeitgeber als eine regionale Wirtschaft, und sie können sich rasch ändern, wenn ein Unternehmen umzieht.

Die Kluft zeigt sich auch darin, wer dort arbeitet. Der Frauenanteil an den Erwerbstätigen beträgt 15.4 % in Mex und 76.0 % in Merlach. Über alle Gemeinden hinweg geht ein hoher Anteil an Industriearbeitsplätzen tendenziell mit einem niedrigeren Frauenanteil unter den Beschäftigten einher.

Anteil Beschäftigte in Industrie und Gewerbe: 12 Gemeinden im direkten Vergleich

Median aller 1’776 Gemeinden: 24.2 %

Landwirtschaftliche Arbeitsplätze in den Hügeln

Der Anteil der lokalen Arbeitsplätze in der Landwirtschaft liegt im Median bei 7.7 %, an der Spitze der Rangliste aber weit darüber: Ochlenberg hat 81.2 %, Walterswil hat 68.3 %, und beide liegen im Kanton Bern. Dabei handelt es sich um kleine Gemeinden, in denen landwirtschaftliche Betriebe den grössten Teil der lokalen Arbeitsstätten ausmachen. Auch die Betriebsgrösse variiert: Der durchschnittliche Betrieb in Bure bewirtschaftet 101.3 ha, gegenüber einem Median von 22.5 ha über alle Gemeinden, und in der mittleren Gemeinde hat sich die Zahl der Betriebe in zehn Jahren um −13.3 % verändert.

Auch in grösseren Gemeinden ist die Landwirtschaft von Bedeutung. In Stammheim entfallen 34.4 % der insgesamt 1’506 Arbeitsplätze auf die Landwirtschaft, in Fully sind es 31.0 % von 2’584 und in Escholzmatt-Marbach 27.7 % von 2’299. Escholzmatt-Marbach zählt 246 Betriebe und damit die höchste Zahl aller Gemeinden.

In städtischen Gebieten fällt die Landwirtschaft kaum ins Gewicht. In Genf entfallen 0.0 % der Arbeitsplätze auf die Landwirtschaft, in Le Grand-Saconnex sind es 0.0 %. Wo die Landwirtschaft dominiert, wird tendenziell auch Teilzeit gearbeitet: In Ochlenberg entsprechen die Vollzeitäquivalente 58.8 % der Beschäftigten, gegenüber einem Median von 74.3 %.

Anteil Beschäftigte im Primärsektor, Bern: die 10 Gemeinden mit den höchsten Werten

Median aller 1’775 Gemeinden: 7.7 %

Grosse Arbeitsstätten und kleine Werkstätten

In der mittleren Gemeinde beschäftigt eine durchschnittliche Arbeitsstätte 5.0 Personen, die Bandbreite ist jedoch gross. Mex hat 39.2, Dierikon kommt auf 32.9 und Rennaz auf 31.1. Am anderen Ende liegt Vernate mit 1.4 nahe bei einem Einpersonenbetrieb.

Grosse Arbeitsstätten sorgen für arbeitsplatzreiche Gemeinden. Beschäftigte pro 1000 Einwohner erreicht 2’018 in Kloten, wo die durchschnittliche Arbeitsstätte 26.9 Personen beschäftigt, und 4’078 in Manno, was mehreren Arbeitsplätzen pro Einwohnerin oder Einwohner entspricht. Dierikon und Rennaz folgen demselben Muster, mit 32.9 beziehungsweise 31.1 Personen pro Arbeitsstätte.

Kleine Orte zeigen das Gegenteil: Vernate hat nur 70 Arbeitsplätze für 618 Einwohnerinnen und Einwohner. Gezählt werden die Arbeitsplätze dort, wo die Arbeitsstätte liegt, nicht dort, wo die Beschäftigten wohnen. Eine Gemeinde kann daher weit mehr Arbeitsplätze bieten, als sie Einwohnerinnen und Einwohner hat, wie Zürich mit 545’295 Arbeitsplätzen zeigt, und der Überschuss wird von auswärtigen Pendlerinnen und Pendlern gedeckt.

Zehn Jahre Veränderung bei den Arbeitsplätzen

In der mittleren Gemeinde hat sich die Zahl der Arbeitsplätze in den vergangenen zehn Jahren um 9.3 % verändert. Bei den grösseren Beschäftigungszentren verzeichnet Risch eine Veränderung von 58.9 %, Visp liegt bei 54.7 % und Plan-les-Ouates bei 50.1 %. Sie liegen in den Kantonen Zug, Wallis und Genf; starkes Wachstum ist also nicht an eine Region gebunden.

Andere Gemeinden haben dagegen an Boden verloren. Bei Flawil beträgt die Veränderung −10.5 %, Rorschach steht bei −9.2 % und Binningen bei −8.9 %. Es sind nach wie vor beträchtliche Arbeitsstandorte, weshalb die Zahlen viele Unternehmen und nicht nur eines widerspiegeln.

Kleine Ausgangswerte verzerren das Bild. Rennaz verzeichnet eine Veränderung von 490.8 %, bei einer vor zehn Jahren deutlich kleineren Basis. Wenn ein einzelnes Unternehmen sich niederlässt oder abzieht, kann der Wert einer kleinen Gemeinde um ein Vielfaches ausschlagen, weshalb die Veränderungen grösserer Beschäftigungszentren aussagekräftiger sind als jene sehr kleiner Orte.

Sektoranteile sind Anteile an Arbeitsplätzen, nicht an Produktion oder Einkommen, und Arbeitsplätze werden am Arbeitsort gezählt. Ein Unternehmen mit mehreren Standorten erscheint in jeder Gemeinde, in der es Personen beschäftigt. So kann das Profil einer Gemeinde einige wenige Standorte widerspiegeln statt der gesamten lokalen Wirtschaft.

Entwicklung der Beschäftigten über zehn Jahre: 12 Gemeinden im direkten Vergleich

Median aller 1’811 Gemeinden: 9.3 %

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