Energie

Warum die Strompreise in der Schweiz so stark abweichen

Zwei Haushalte mit demselben Verbrauch können je nach Wohngemeinde sehr unterschiedliche Preise pro Kilowattstunde bezahlen. Diese Analyse vergleicht die Tarife eines typischen Haushalts, zeigt, wo der Preis am höchsten und am tiefsten liegt, stellt die Grossstädte nebeneinander und zerlegt den Preis in Energie, Netz und Abgaben.

Grosse Unterschiede zwischen den teuersten und den günstigsten Orten

Kestenholz hat mit 45.88 Rp./kWh den höchsten Strompreis in den Daten. Knapp dahinter folgt Niederhelfenschwil mit 45.82 Rp./kWh, auf Platz drei liegt Bischofszell mit 41.05 Rp./kWh. Am anderen Ende der Tabelle verlangt Sils im Domleschg 12.15 Rp./kWh. Der Median aller Gemeinden liegt bei 26.85 Rp./kWh, die teuersten Orte liegen damit weit über der Tabellenmitte, die günstigsten weit darunter.

Die zehn Orte in der Grafik sind alle kleine Gemeinden. Grossstädte tauchen dort nicht auf: Vom teuren Ende der Tabelle aus gezählt liegt Basel auf Rang 63 von 1’805, Zürich auf Rang 1’492 von 1’805. Auch das untere Ende der Tabelle ist mit kleinen Gemeinden besetzt, die Grösse allein bestimmt also nicht den Preis.

Die Entfernung auf der Karte erklärt wenig. Bischofszell und Frauenfeld liegen im selben Kanton Thurgau, doch die Preise betragen 41.05 Rp./kWh beziehungsweise 25.21 Rp./kWh. Dasselbe Bild zeigt sich im Kanton St. Gallen: Niederhelfenschwil verlangt 45.82 Rp./kWh, St. Gallen verlangt 31.57 Rp./kWh.

Strompreis ohne MWST, Haushaltstyp H4 (4 500 kWh/Jahr): die 10 Gemeinden mit den höchsten Werten

Median aller 1’805 Gemeinden: 26.85 Rp./kWh

Wo Strom am wenigsten kostet und wie stark Abgaben ins Gewicht fallen

Die acht tiefsten Preise des Landes liegen alle im Kanton Graubünden. Sils im Domleschg ist am günstigsten mit 12.15 Rp./kWh, gefolgt von Brusio mit 13.15 Rp./kWh, Andeer mit 13.56 Rp./kWh und Thusis mit 15.86 Rp./kWh.

Ein tiefer Preis bedeutet nicht niedrige Abgaben. Thusis, Sils im Domleschg und Andeer sind die drei Orte, an denen Abgaben und Zuschläge am stärksten ins Gewicht fallen, mit Anteilen von 52.3 %, 51.9 % und 46.5 % am Preis. Diese drei Orte liegen im Kanton Graubünden und gehören zu den günstigsten Orten des Landes.

Wo der Abgabenanteil so gross ist, fällt die Netznutzung kaum ins Gewicht: In Thusis macht sie nur 8.6 % des Preises aus; der Gesamtpreis beträgt 15.86 Rp./kWh, der landesweite Median 26.85 Rp./kWh. Ein Anteil ist ein Verhältnis: Er kann allein deshalb gross ausfallen, weil der übrige Preis klein ist, und genau das zeigen die Zahlen für diese Orte.

Was die Grossstädte pro Jahr bezahlen

Die Grafik vergleicht Jahresrechnungen statt Preise pro Kilowattstunde, was die Unterschiede in Franken leichter lesbar macht. Sämtliche Rechnungen verstehen sich ohne Mehrwertsteuer; eine tatsächliche Rechnung wäre also höher. Entscheidend ist hier der Unterschied zwischen den Städten.

Die Jahresrechnung des typischen Haushalts beträgt 1’108 CHF/Jahr in Zürich und 1’099 CHF/Jahr in Genf: praktisch gleich viel, obwohl die beiden Städte in verschiedenen Sprachregionen liegen.

Basel, Bern und St. Gallen liegen deutlich über diesem Paar, bei 1’504 CHF/Jahr, 1’400 CHF/Jahr und 1’421 CHF/Jahr.

Am unteren Ende der Grafik fällt Zug auf: Mit 952 CHF/Jahr liegt die Rechnung unter jenen von Zürich, Genf, Luzern und Lugano.

Jährliche Stromrechnung ohne MWST, Haushaltstyp H4 (4 500 kWh): 10 Gemeinden im direkten Vergleich

Median aller 1’805 Gemeinden: 1’208 CHF/Jahr

Energie, Netz und Abgaben: die drei Teile eines Preises

Ein Preis pro Kilowattstunde setzt sich aus drei Teilen zusammen: der Energie selbst, der Nutzung des lokalen Netzes sowie den Abgaben und Zuschlägen. In der mittleren Gemeinde macht das Netz 47.0 % des Preises aus, die Energie 42.2 % und die Abgaben 11.1 %.

Die Zusammensetzung verändert das Bild einer Stadt. In Basel machen Abgaben und Zuschläge 30.2 % des Preises aus (Rang 4 von 1’805), deutlich mehr als die 14.6 % in Zürich. Die Nachbargemeinden Bettingen und Riehen verlangen genau denselben Preis, 33.42 Rp./kWh, was darauf hindeutet, dass sich die Preise eher nach dem Versorger richten als nach der Gemeindegrenze.

Zug hat eine andere Zusammensetzung. Die Netznutzung macht 59.3 % des Preises aus, die Energielieferung nur 26.8 % (Rang 1’793 von 1’805), sodass die Energie selbst einen vergleichsweise kleinen Teil der Rechnung ausmacht.

Fünf Jahre mit auseinanderlaufenden Preisen

Die Preise haben sich nicht im Gleichschritt entwickelt. Über fünf Jahre stieg der Preis in Niederhelfenschwil um 147.9 %, in Kestenholz um 132.2 %. In Cham hingegen beträgt die Veränderung −4.6 %. Der Median der Veränderung aller Gemeinden liegt bei 30.2 %. Eine grosse prozentuale Veränderung lässt sich von einem tiefen Ausgangsniveau aus leichter erreichen, weshalb die Veränderung am besten zusammen mit dem Preisniveau gelesen wird.

Dieselben zwei Orte führen beide Listen an. Kestenholz hat den höchsten Preis und die zweitgrösste Veränderung über fünf Jahre, während Niederhelfenschwil den zweithöchsten Preis und die grösste Veränderung aufweist. Bei diesen beiden gehen eine starke Veränderung über fünf Jahre und ein Preis an der Spitze der Tabelle Hand in Hand.

Im Kanton Zug blieben die Preise in mehreren Gemeinden nahe am Ausgangsniveau: Die Veränderung in fünf Jahren beträgt 1.1 % in Zug und −4.6 % in Cham. In den Städten liegt die Veränderung bei 53.2 % in Schaffhausen, bei 46.7 % in Bern und bei 47.8 % in St. Gallen.

Veränderung des Strompreises in 5 Jahren, Haushaltstyp H4: die 8 Gemeinden mit den höchsten Werten

Median aller 1’780 Gemeinden: 30.2 %

Die Zahlen richtig lesen

Durchgehend verwendet wird die Kennzahl Strompreis ohne MWST, Haushaltstyp H4 (4 500 kWh/Jahr): Sie beschreibt ein Haushaltsprofil und stützt sich auf die Tarife für 2027. Ein Haushalt, der deutlich weniger oder deutlich mehr verbraucht, zahlt pro Kilowattstunde einen anderen Preis: Der Median liegt bei 29.82 Rp./kWh für das kleine Profil, bei 26.85 Rp./kWh für das typische und bei 22.95 Rp./kWh für das grosse.

Die Preise stammen von den Versorgern, die jede Gemeinde beliefern. Ein Versorger kann mehrere Orte beliefern, weshalb Nachbargemeinden oft denselben Tarif haben. Eine Gemeinde ohne Preis in den Daten fehlt in diesen Vergleichen einfach.

Insgesamt zeigt die Tabelle, dass es darauf ankommt, wo ein Haushalt wohnt, aber nicht so, wie Stadtgrösse oder Entfernung es nahelegen würden. Die Spanne zwischen Kestenholz und Sils im Domleschg ist gross, die Spanne zwischen den Grossstädten viel kleiner, und die Unterschiede zeigen sich vor allem in der Zusammensetzung aus Energie, Netz und Abgaben des jeweiligen lokalen Tarifs.

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